Hegau-Bodensee CB Funk
Happy Birthday- 50 Jahre CB-Funk
![]() CB Funk "Cockpit" 1980er JahreEin launiger Bericht zu 50 Jahren CB-Funk. Von CB Donausurfer Dirk (ex CB Iltis) jetzt auch DL1GKD. Vorab-Hinweis für den Leser: Die kursiv gedruckten Begriffe entsprechen den gängigen Formulierungen und Wörtern des damaligen CB-Funk-Jargons. |
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CB-Funk? Was war das nochmal? Und wann? Wer das nicht erlebt hat: Los ging es in den frühen Siebzigern, mit den so genannten K-Geräten und 6 Kanälen. Einfach ein Gerät kaufen und losfunken, das war nicht möglich. Es musste ein Bedarf nachgewiesen werden. Am besten war da die Mitgliedschaft in einem der vielen Funk-Hilfsvereine, die sich zur Aufgabe gesetzt hatten, eben in Notsituationen drahtlos Hilfe zu leisten. Schließlich gab es ja noch lange keine billigen und in Massen hergestellten Funktelefone, später als Händies bezeichnet. Während in den USA der „Jedermannfunk“ schon lange populär war, wurde 1975 endlich auch in Deutschland der CB-Funk auf 12 Kanälen mit maximal 0,5 Watt Sendeleistung zur allgemeinen Benutzung freigegeben. Und da setzte der Boom ein, der bis in die 90er-Jahre anhielt. Mein erstes Funkgerät war eine Handgurke (Handsprechfunkgerät) mit drei Kanälen, von Quelle, Markenname UNIVERSUM. Leider war das Gerät ab Werk nur mit einem Kanal bequarzt. Pro Kanal musste ein Quarzpaar (für Erzeugung der Sendefrequenz und Empfangs-Oszillatorfrequenz) nachgesteckt werden, was mit 15 DM zu Buche schlug und damit das durchschnittliche Monatstaschengeld fast aufbrauchte. Das Gerät hatte zwar ein stabiles, schwarz lackiertes Metallgehäuse, aber der Lack löste sich bei Dauerquasslern unter Wärme und Schweißeinwirkung bald ab. Also wurde nachlackiert, erst schwarz, später grün ... Schon bald musste der Handgurken Teenie feststellen, dass es andere viel bequemer hatten. Und dass sie auch meistens weiter funken konnten, wenn der Handfunker nicht gerade auf dem höchsten Turm oder Gipfel stand und von dort dann selbst mit der bescheidenen Teleskopantenne fast jeden am Boden übertreffen konnte. Diejenigen, die bereits stolze Besitzer eines Autos waren, saßen schon immerhin in der zweiten Reihe: Ein Mobilfunkgerät, fest eingebaut, mit Handmikrofon und eine möglichst lange Antenne, möglichst auf der Dachmitte, waren nicht nur optisch eindrucksvoll, sondern konnten auch so manchen Heimstationsbesitzer, bei Wahl eines entsprechend günstigen Standorts, reichweitenmäßig in den Schatten stellen. Und das wusste man natürlich schnell, wo die besten Standorte waren. So gab es an topographisch bevorzugten und zugleich mit dem Auto erreichbaren Lagen, vielfach Abend für Abend ein kleines Funkertreffen. Wegen der oftmals mangelhaften Empängertrennschärfe konnte aber höchstens immer einer im Umkreis von 200m funken. Die Durchschläger eines Senders in unmittelbarer Nähe machten die anderen Empfänger dicht und einen normalen Empfang unmöglich. Dies war aber nicht so schlimm, denn unter Gleichgesinnten quatschte es sich auch visuell nett, wie das persönliche Gespräch genannt wurde. Eigentlich gab es fast nur ein Thema; Die Anlage, die Antenne, Koaxkabel, die Antennenanpassung und deren so genannte Stehwelle (eigentlich technisch Korrekt das Stehwellenverhältnis). Und natürlich die Geschichten über Weitverbindungen, das so genannte DX, das bei entsprechenden atmosphärischen Bedingungen selbst mit der mickrigen Leistung von 0,5 Watt kurzzeitig Verbindungen über 1000 und mehr km zuließ. Und was noch ganz wichtig war: Die QSL-Karte (Verbindungsbestätigungs-Karte)! Ohne QSL war man kein Funker. Und wer eine QSL bekam, aber keine zurückschickte, war erst recht kein Funker. Der Stolz eines jeden Funkers war die QSL-Sammlung, als einziger Beweis und einzige Materialisierung des vergänglichen und völlig unmateriellen Funkkontaktes. Bei einem richtigen Funker war deshalb mindestens eine Wand mit QSLs tapeziert. Die schönsten QSLs und die Dokumente der weitesten Verbindungen hatten Ehrenplätze. Ich erinnere mich noch heute daran, dass mein schönstes Geburtstagsgeschenk zu meinem 17. Geburtstag ein geglücktes QSO mit Florenz war. QSL ? QSO ? Wer nie selber gefunkt hat, hört jetzt an dieser Stelle entweder auf mit Lesen, oder versucht, die so genannten Q-Gruppen zu lernen, die eigentlich früher mal dazu gedacht waren, im Tastfunk (Morsetelegaphie) Zeichen zu sparen. Eine historische Form der Datenkompression, sozusagen. Nur ganz geschwind die wichtigsten Abkürzungen, allgemeinverständlich und inoffiziell übersetzt, zur Erinnerung: - QTH: Standort - QRG: Frequenz - QSY: Frequenzwechsel - QRZ: Du wirst gerufen von ... - QSO: Funkverbindung. QSO´s werden übrigens ´gefahren´... - CQ: allgemeiner Anruf (CQ 11, CQ 11, hier ist ...) - QSL: Bestätigungskarte für Funkverbindung ![]() Nichts war unmöglich damalsDaneben gab es natürlich eine Fülle von CB-Dialekten und Redewendungen, die oft wieder versunken sind. Der Spargel zum Beispiel, nein, das war die Antenne, sonst nix ! Und wer einen mords Spargel auf dem Dach hatte, war eben Besitzer einer schönen langen Antenne. Lachen, übrigens, wurde meistens übersetzt. Wenn jemand etwas lustig fand, kommentierte er das mit ha-ih (h-i), auch ein übernommenes Telegraphie-Relikt. Was dem Mailer oder Chatter sein Smiley ist, war dem Funker sein ha-ih ;-) ... Ebenso ging ein Funker nicht ins Bett, sondern auf 2m horizontal, was die ungefähre Länge eines durchschnittlichen Bettes in Bezug zu einer populären Wellenlänge (der Funkamateure, allerdings) brachte. Wieso der zuvor bereits erwähnte günstige Funkstandort aber Bräkerhügel hieß, weiß ich auch nicht. Ebenso wenig, wieso es hieß, man hätte zusammen gebräkt, wenn man einen Funkkontakt hatte. Vielleicht hatte es seinen Ausgangspunkt beim Brääk! (break), dass ein Dritter in ein Zwiegespräch einwarf, um den Wunsch auf Mitreden kund zu tun. Selbstverständlich waren aber auch Funker nicht (ganz) geschlechtslose Wesen. Abgesehen davon, dass die Frauen - wie so oft, in diesen Bereichen - absolut in der Minderzahl waren, wurden auch sie mit einer Abkürzung bedacht: Es war die OW, die Oberwelle, die allerdings manchmal auch wenig liebevoll und machomäßig als oh - Weh! interpretiert wurde. Die etwas Kundigeren hatten da allerdings ein netteres und eleganteres Kürzel, aus dem Amateurfunk bzw. kommerziellen Funk entliehen: Die YL, young lady. Damit war dann die Freundin genannt, denn die Ehefrau, war bereits - egal wie alt - die XYL, die Ex-Young-Lady. Die ganz harten Funker liebten und suchten aber mehr die Einsamkeit. Vor allem oder sogar bei Nacht, wenn das Band frei war, und selbst leiseste Signale aufzunehmen waren. Mancher schrie sich heiser, am Mikrofon, bis er das normale Standardmikrofon durch ein V-Mike, ein Mikrofon mit eingebautem Vorverstärker ersetzte. Das war natürlich nicht erlaubt, ebenso wenig wie es erlaubt war, das Funkgerät zu öffnen und irgend etwas darin zwecks Leistungserhöhung zu verstellen. Ganz zu schweigen vom Einsatz sogenannter Brenner, auch Nachbrenner genannt, die das popelige halbe Watt Hochfrequenz um das teilweise 100-fache verstärkten. Mit 50 Watt oder sogar mehr war dann entweder die Batterie gegen Morgen leer, oder, was bedeutend unangenehmer war, ein gelbes Fahrzeug, mit auffälliger Antenne auf dem Dach, hielt plötzlich neben dem Privatrundfunker. Die Post, auch der Gilb genannt, war überhaupt der Erzfeind und Angstgegner aller echten Funker. Also musste jeder echte Funker auch irgend etwas verbotenes oder nicht ganz legales haben. Und wenn´s nur das erwähnte Verstärkermikrofon war. Apropos V-Mike, die Produkte der Firma TURNER hatten hier einen legendären Ruf. Das Turner m+2u als klobiges Handmikrofon, und das Turner+3 als denkmalhaftes Standmikro für den Chefsprecher daheim. Als Antenne war die DV 27 mit etwa 1,3m Länge Standard. Experten hatten für den Funkerhügel aber die DV 27 l (lang) mit 2,70m im Kofferraum, die gleich ein „paar dB“ mehr brachte. Und überhaupt, das dB: Das sogenannte S-Meter war das Wichtigste überhaupt, beim Rapportverteilen. Die Frage Wie komm ich bei dir ´rein ? beantworteten nur Witzbolde oder Unkundige mit „Bei der Tür“. Denn damit war schlicht nach einer Beurteilung der Empfangsqualität gefragt. Der Rapport wiederum konnte, je nach eigener Erwartung, Hochstimmung oder Niedergeschlagenheit auslösen. Allerdings ist dazu zu sagen, dass leider nicht wenige Funkkollegen sinnlose Rapporte verteilten, ohne das Rapportsystem verstanden zu haben. Da war als erstes der Blick aufs S-Meter, also die Anzeige der Empfangsfeldstärke. Neben diesem S-Wert (Du kommst hier rein mit Neun plus zwanzig !) gab es noch den sogenannten Radio-Wert, eigentlich R-Wert von „readability“, also die Verständlichkeit. Damit konnte man die Güte der Sprachübertragung (Modulation) beurteilen. Viele machten allerdings den Fehler, und verwechselten leise Signale von weit entfernten Stationen mit schlechter Güte. Aber das ist ein anderes Kapitel... Wer eine Top-Modulation hatte, dem wurde auf alle Fälle eine UKW-Qualität seiner Aussendung bescheinigt, die Krone der Verbalbewertung. Zurück ins traute Heim: Bei den stolzen Heimsationsbesitzern, die zwar in der ersten Reihe saßen, aber dafür auch jeden Monat DM 15.- an den Gilb zahlen mussten, fing es bei 2,70 Antennenlänge erst an. Als Notlösung. Mindestens lambda-halbe (halbe Wellenlänge) musste der Spargel haben. Noch besser war eine fünf achtel oder sogar als Längenspitzenreiter eine überlange sechs achtel, mit über acht Metern. Solche Konstruktionen waren aber nicht unbedingt optimal, was auch mechanisch galt. Viele der langen Spargel auf den Dächern der 80er zeigten dem Betrachter schon von weitem eindeutig die Hauptwindrichtung an und repräsentierten damit einen eher geknickten Funkerstolz. Doch trotz den monatlichen DM 15.-, trotz nicht seltenem Streit mit Nachbarn, wegen unerwünschter Wiedergabe von Funkgesprächen aus Plattenspielern, Radios, HiFi-Anlagen und Fernsehern (das gefürchtete TVI, Television-Interference), trotz Besuch vom Gilb, war die Heimstation das Ziel und die Krone der Funkerausstattung. An deutschen Marken, die - sowohl bei Handsprechfunkgeräten, Mobilgeräten oder Heimstationen - den Markt dominierten, fällt mir noch ein: DNT, Stabo, Kaiser, etwas seltener Grundig, Blaupunkt PeWe, und natürlich die berühmten UNIVERSUM- (Quelle) und PALLADIUM (Neckermann)-Geräte. An ausländischen Fabrikaten und Markennamen erinnere ich mich an Pace, Handic, Sommerkamp, Zodiac und President, die allesamt auch beliebte Geräte bei ´Schwarzfunkern´ waren, also denen, die mit unerlaubten Geräten (mehr als 12 Kanäle, mehr als 0,5 Watt) unterwegs waren. ![]() Vor der Arbeit noch schnell rasieren!Wenn es heute möglich ist, per Webcam freiwillig jede Privatsphäre aufzugeben und alle Welt an seinem häuslichen Leben teilhaben zu lassen, so war es vor über 40 Jahren die Heimstation und das Vorverstärkermikrofon, das fast sämtliche Neben- und Lebensgeräusche aus dem trauten Funkerheim im Umkreis von 20, 30 und mehr Kilometern verteilte. Neben langen Monologen waren manche Funker auch Meister der Sprechpausen, bei gedrückter Sendetaste. Der praktische Feststellknopf am Turner+3 ermöglichte es durchaus, mal eben aufzustehen, aus dem Kühlschrank ein Bier zu holen und dabei weiterzuquatschen. Die echten Spezialisten schafften so problemlos Durchgänge, also Sendedauern von bis zu 10 Minuten, was dann schon fast die postalisch verbotenen „rundfunkähnliche Darbietungen“ waren. Danach wusste dann jeder Zuhörer, welches Fernsehprogramm im Hintergrund läuft, wie viele Kinder im Haushalt wohnen, ob die OW gut gelaunt ist, oder ob gerade das Badewasser einläuft. Dem gegenüber stand der Schweiger. Der Dauerschweiger, der nichts sagte, sondern nur die Taste herunter drückte. Und schwieg. Es waren die so genannten Trägerdrücker, die also nur einen „unmodulierten HF-Träger“ aussendeten. Was hatte dies für einen Sinn ? Nun, die Absicht war Stören, einfach Gespräche stören. Und natürlich die Freude an den alsbald und mit ziemlicher Sicherheit einsetzenden Schimpfkanonaden der Gestörten. Wenn der tonlose Tastendruck nicht ausreichte, hielten manche ihr Mikrofon vor den Lautsprecher des Autoradios, denn Trägerdrücker gingen ihrem Handwerk zu 95% aus dem Auto nach. Ganz mutige rülpsten auch hinein, oder gaben sonstige Lautimpulse von sich. Es war schon bald allgemeiner Konsens, dass die beste Methode gegen Trägerdrücker war, sie zu ignorieren und keinesfalls zu beschimpfen, wie es dennoch oft genug geschah (Schwätz doch mal was du feige S.. , wenn ich dich krieg..., ich weiß wo du bist, ich komm jetzt vorbei... , ich zeig dich bei der Post an...). In Einzelfällen blieb es dann nicht bei den Drohungen. Ich kenne einen Fall, in dem ein Trägerdrücker von aufgebrachten Funkern gejagt, gefunden und gestellt wurde. Dass dabei nicht nur das Funkgerät und die Antenne des Störsenders hart behandelt wurden, muss wohl nicht extra erwähnt werden ... ![]() Fast jedes Auto hatte eine ... CB-AntenneSpätestens seit dem Aufkommen der Handys ging es mit dem CB-Funk jedoch leider bergab - obwohl ja dort in den meisten Fällen die tatsächliche Funkstrecke bis zur nächsten Basisstation höchstens einige Kilometer beträgt und ab da das Gespräch ganz normal über Draht läuft. Von DX kann man da also nicht reden ... Die wenigen noch auf Dächern stehenden CB-Antennen sind meist vergessene Relikte vergangener Zeiten, die sich oft in einem funktechnisch trostlosen Zustand befinden. Heute sind auch nur noch selten Autos mit CB-Antennen zu sehen, ganz zu schweigen von den früher üblichen Aufklebern mit Funk-Markennamen und - ganz wichtig - dem eigenen Rufzeichen. Das Rufzeichen, der Funkname also, konnte völlig beliebig sein, ein „Nickname“ also auch. Alles war vertreten, vom Filmstar (Rambo, Rocky, ...) über die Namen häuslicher Lieblingstiere (Schnucki, Minka, Boppele,...) bis zu den eher professionelleren Rufzeichen, die oftmals die Initialen des eigenen Namens ins internationale Nato-Buchstabieralphabet umsetzten. Aus Fritz Maier wurde so ein schicker Foxtrott-Mike, manchmal noch mit Nummer dahinter. Wer das ganze Nato-Alphabet kannte, hatte sowieso schon die höheren Weihen erreicht (Kennst Du es noch? Alpha, Bravo, Charlie, Delta, Echo, ...), und demonstrierte dies mit der schnellen und fehlerfreien Buchstabierung von QTH und Namen. Immerhin aber, verstärkt durch die Corona-Quarantäne Anfang der 20er-Jahre, ist bei der CB-Nutzung ein gewisser Aufschwung zu sehen. Es gibt neue, interessante Geräte und man findet inzwischen tatsächlich wieder lokale und regelmäßige Funkerrunden – so wie diese hier im Hegau und Umgebung.. Sogar Mobilisten oder Funk-Wanderer, die exponierte Standorte aufsuchen um von dort Funkbetrieb zu machen sind wieder anzutreffen. Von der Vergangen gäbe es dagegen noch Vieles zu berichten. Von echten Freundschaften, sogar Ehen, die per CB-Funk vermittelt wurden, von regelmäßigen Funkerrunden, in denen stundenlang gequasselt wurde, von Hits, die vom CB-Funk handelten, von den Fernfahrern, für die der Funk auch heute noch unverzichtbar ist, von Funkertreffs in total verrauchten Nebenzimmern, vom Neuner, dem heiligen Anruf- und Notrufkanal, ... aber dieser Beitrag ist ja nun lang genug. Und vielleicht fällt ja noch jemand Anderem ´was ein. 73, 55 oder 88 zum Beispiel … |



